Tantra: No dirt, No Patanjali, No Gods – House of Grace
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Tantra: No dirt, No Patanjali, No Gods

Hochgezogene Augenbrauen, skeptische Blicke und meist ein langgezogenes „Ah. Hmhm.“ Das ist meisten die Reaktion, wenn ich sage, dass ich mich intensiv mit Tantra auseinander setze. Und ich weiß genau, was mein Gegenüber denkt: An TV-Trash Reportagen im Spätprogramm, in denen sich originell anmutende Menschen ebenso verzückt wie kaum bekleidet ineinander stecken. Ich kann es schon mal verraten: Das ist NICHT Tantra. Auch nicht die interessante Definition, die mir mal ein Yogalehrer bierernst vortrug: Ich hätte keine Ahnung, worum es im Tantra geht. Er hatte das aber dafür schon: Er hätte von einer absoluten Yogaphilosophie-Koryphäe gehört, dass es im Tantra darum geht, dass Menstruationsblut der Frau mit dem Penis aufzusaugen und damit „die Macht“ zu erlangen. Female Superpowers in allen Ehren, aber WHAT? Ich habe sehr herzlich gelacht. Definitiv ein interessanter Ansatz, kann ich da nur sagen, in welcher der vielen tantrischen Schriften das stehen soll, ist mir jedoch schleierhaft.

 

Was ist der Zauber von Tantra?

Aber was erwartet uns, wenn wir uns tatsächlich mit dieser jahrhundealten Philosophie auseinandersetzen? Warum lese ich jeden Morgen in meinen Büchern und gebe jeden Monat 50 Dollar als Patreon für Christopher Wallis aus, damit ich in den Genuss von Texten kommen, die zum ersten Mal übersetzt wurden, warum investiere ich dutzende von Euros in neue Bücher? Was ist der Zauber, dieser legendenumwobenen Weltanschauung, die fälschlicherweise immer nur mit Sex in Verbindung gebracht wird?

Die Welt des Tantra zu betreten, bedeutet einzutreten in einen Welt voller Magie. Es bedeutet, sich einer bewusstseinserweiternden Philosophie hinzugeben, einer Welt in der geheimnisvolle Energie-Diagramme die Dimensionen der Realität strukturieren, die Visualisierung von kraftvollen Energieflüssen im Körper, tiefste Erfahrungen von Glückseligkeit und purem Bewusstsein, Meditationen, die dich auf eine neue Bewusstseinsstufe bringen und ein Fundament, das auf fast schon unheimliche Weise mit den Entdeckungen der Quantenphysik harmonisiert. Willkommen in der Welt der non-dualen Shivaismus oder auch Tantra.

 

Unterschiede zu den klassischen Philosophien

Einer der größten Unterschiede im Gegensatz zu den „klassischen“ Yogaphilosophien besteht darin, dass es im Tantra nicht darum geht, der Welt zu entkommen. Während Patanjali & co. zwar einen göttlichen Kern in uns sehen, aber Anleitungen geben, den Körper und dem „Shithole“ Welt zu entkommen, damit wir es uns im Samadhi gemütlich einrichten können, geht es im Tantra darum, dass wir in dieser Welt das Göttliche erfahren: denn alles ist Gott. Shiva ist hier auch kein Kifferkumpane, der auf dem Berg hockt und meditiert, sondern steht für das Immanente, das unendliche Bewusstsein, immer da und immer während. Dabei ist es untrennbar und nicht einzeln betrachtbar von Shakti, seine*ihre Energie, die das Immamente in Formen bringt, damit es sich selbst erleben kann. Stellt euch ein unendliches vibrierendes, pulsierendes Feld vor, innerhalb dessen sich Myriaden von Formen bilden, die in den unterschiedlichsten Frequenzen pulsieren – das ist in etwa der Gottesbegriff von Shiva-Shakti im Tantra. Übrigens auch eine ziemlich gute Beschreibung, was man auf Quantenebene sehen würde, könnte man sie mit dem Auge erfassen.

 

God is you. You are God.

Wenn alles Gott ist, dann sind auch wir Gott. Und ja jeder. Das ist für mich einer der schwierigsten Stellen: Das Gott alles und jeder ist. Und eben nicht nur Liebe, sondern in allen Formen und Spielarten existiert, die es im Universum gibt und Gut und Böse nur unsere Begriffe sind. Darin liegt aber gleichzeitig auch die Tiefe für mich: Es ist leicht, sich im Guten zu verlieren und nur in höheren Sphären herumzuschweben, nur die Liebe und das Gute zu sehen und auch zu wollen, denn wir wollen uns gut und leicht fühlen. Selten sind wir aber dann wirklich „da“ und verfehlen damit die Möglichkeit die Freude des Augenblicks in allen Situationen zu erleben. Auch in herausfordernden Zeiten im reinen zu sein, seinen Frieden zu machen, mit dem was ist, genau hier und jetzt in diesem Augenblick: Das ist das Schöne am Tantra.

Da alles in der Welt eine Manifestation des Göttlichen ist, lehrt Tantra eben dies: in allen Gott zu sehen. Um es ganz krass auszudrücken: Im Hundehaufen genauso wie in den wundervollsten, erhabensten Gefühlsmomenten. Tantra lehrt mitten drin zu sein, mit allen Sinnen, mit allen Erfahrungen. Dazu gibt es z.B. wundervolle Meditationen, Kontemplation über Lehren oder Techniken für den subtilen Körper, alle mit dem Ziel die göttliche Energie in allen Dingen zu erfahren, völlig präsent in der Welt und dabei spirituell frei.

 

Eine Reise

In den folgenden Monaten möchte ich euch nach und nach einige der für mich wichtigsten tantrischen Begriffe, Techniken und Sutren vorstellen und euch einladen, diese wunderbare Reise, die gleichzeitig nach innen und außen führt, mit mir zu unternehmen. Ich möchte euch einladen, den Zauber dieser jahrhundertealten Verse zu entdecken und deren innewohnende Freiheit. Ich möchte euch einladen, Gott zu begegnen. In euch und in allen Dingen.

 

 

Eure Sandra

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