god Archive – House of Grace
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Über Elvis Presley, dolle Sprünge und den Muskel des Glaubens: Wie du besser mit Kritik umgehen kannst

Ich gucke gerade raus in meinen Garten. Es ist 21 Uhr 47. Die Rehe grasen am Zaun und das Licht ist so unwirklich orangefarben, wie es nur im Sommer auf dem Land nach einem Regen und im Sonnenuntergang ausschauen kann. Gerade eben habe ich noch einen Netflix-Film geschaut, in dem die Außenseiterin plötzlich in die coole Clique aufgenommen wurde, aber sich dabei selbst verlor. Natürlich wurde sie am Ende wieder zu dem netten Mädchen in einer 2.0-Version und mit dem heißesten Typen der High School an ihrer Seite. Als ich kleiner war, habe ich mir so eine Transformation auch so sehr gewünscht. Ich weiß noch, wie ich mich zu einem Elvis Presley Film hübsch machte. Mir die Haare ganz sorgfältig kämmte, die Brille ganz ordentlich putzte, Labello auftrug und mir vorstellte – Elvis und ich, wir würden beste Freunde und das Leben hätte irgendwie mehr Halt, mehr Freude. Die hatte ich nämlich nicht, die Freunde  (den Halt auch nicht) und ich wollte so gern irgendwo richtig dazugehören.

 

„Guck mal wie toll ich springen kann“

Tja, und das dazugehören wollen, das zog sich dann irgendwie durch mein Leben. Bis ich mir selbst ein Fundament gebaut habe und dachte, ich bin komplett frei und unabhängig vom Lob und der Bestätigung und zwar in allen Bereichen. Ich hatte zum Beispiel Anfang des Jahres einen total schönen Termin mit Luisa Hartmann, die mir sagte „deine Aufgabe ist es, dich in die eigene Größe zu trauen und dich zu zeigen.“ Ich lächelte milde und weise sagte: „Ja, das mache ich schon, das habe ich gut geschafft.“ Denkste! Das galt für Beziehungen, aussehen, aber nicht für meinen Herznesweg: Yoga zu teilen und zu schreiben. In den letzten Wochen bin ich mehrfach mit der Nase darauf gestoßen worden, mich unabhängig zu machen und an mich und meinen Herzensweg zu glauben  – nämlich auch dann, wenn andere es nicht tun. Ich durfte feststellen, dass mir immer noch bei manchen Personen ihre Meinung überaus wichtig war und ich eher etwas von „Guck mal wie toll ich springen kann, Mama!“ habe, als eine souveräne, gestandene 41-Jährige zu sein, die – nebenbei bemerkt –  eine ziemlich erfolgreiche innere Dämonenbesiegerin ist. Ich suchte klammheimlich immer noch nach Erlaubnis oder das Lob von Respektspersonen und wenn das ausblieb oder sigar Gegenwind kam, war ich enttäuscht.

 

Lüften wir die Schleier: Was liegt hinter dem Wunsch nach Lob?

Aber warum habe ich das gemacht? Mittels einer sehr schönen Technik, zu der es bald ein YouTube Video gibt, bin ich auf den Grund des Gefühls gegangen. Ich habe erkannt, dass es die stark verwurzelte Urkraft der Stammeszugehörigkeit ist, die mich so angetrieben hat. Ich wollte von Respektspersonen und Lehrern geschätzt werden und sie sollen es toll finden, was ich mache, das ist der innere Wunsch dahinter. Und hinter diesem Wunsch? Lüften wir noch einmal einen weiteren Schleier und erkennen: Ich konnte auf meinen Herzensweg, dem Yoga und dem Schreiben, immer noch nicht immer zu 100 Prozent an mich glauben, sonst hätte ich kein außen gebraucht. Wohlgemerkt: Konnte, Vergangenheit. Du, ich – wir brauchen keine Erlaubnis, um unseren Weg zu gehen, unser Dharma zu leben, genau das in die Welt zu tragen, was unser unstillbares Verlangen ist. Denn das ist es, was das Leben durch uns in die Welt tragen möchte.

 

Kritik ist wie ein Squat für den Muskel des Glaubens an dich

Also änderte ich meine Wahrnehmung auf Kritik oder fehlendes Lob. Jede Kritik kann uns stärken. Sie kann uns stärken, dass wir annehmen können, wenn sie berechtigt ist oder auch nur ein Funke Wahrheit drin steckt, und sie hilft uns authentischer leben zu können. Es ist daher wirklich wichtig, immer ehrlich zu sein und genau darüber nachzudenken, was du davon annehmen kannst – und was nicht passt.

Denn das Wichtigste ist: bleibe bei dir. Wenn es etwas ist, was dir sehr am Herzen liegt, lass es dir nicht kaputt machen. Du brauchst keine Erlaubnis oder Beifall, das zu tun, woran du glaubst! Und dann ist jede Kritik quasi wie ein Squat für den Muskel des Glaubens an dich selbst ist und jeder unangenehmen Konfrontation beinhaltet die Chance für Wachstum, um noch heller zu strahlen. Denn wenn ich eins durch die letzten Wochen gelernt habe dann das: Manchmal braucht es die größten Kritiker an deinem Tun, um deinen Glauben an dich selbst zu festigen und dein Tun noch reiner werden zu lassen. Diesen Glauben nicht zu verlieren, gleichzeitig offen dafür zu sein, was wir in die Welt tragen dürfen und sich jeden Tag zu fragen: „Was kann ich in die Welt bringen? Was darf durch mich ausgedrückt werden? Wie kann ich voller Vertrauen aus dem Herzen leben? Wie kann ich dienen?“ Wenn wir so leben, leben wir wahrhaftig aus dem Herzen heraus, dann beginnen wir unsere Wahrheit zu leben und unser Glauben an uns, und an das was wir tun, wird stark wie ein Fels.

 

Ich glaube an Euch, Lovelies. 💖 Eure Sandra

Would the real true Sandra please stand up?

Ich mag Annas. Alle Annas die ich bislang getroffen habe, waren großartige, warmherzige Menschen, die aus vollem Herzen geben, leben und lieben. Bei Nadines hingegen bin ich vorsichtig, denn von zwei Nadines bin ich schon in die Pfanne gehauen worden. Warum ich das schreibe? Und was es mit dem Titel zu tun hat? Nun: beide Vorbehalte sind das, was in der tantrischen Philosophie Saṃskārasgenannt werden.  Saṃskāras sind unterbewusste Eindrücke, die sich bei uns festgesetzt haben. Wann immer wir also Aversionen oder Sympathien verspüren, sind diese meist in Saṃskāras, Erfahrungen, die wir gemacht haben und die wir positiv oder negativ besetzt haben, begründet.

 

Jeder von uns trägt Eindrücke mit sich herum

Jeder von uns trägt also ein richtigen Sack voll Saṃskāras mit sich herum und je nach Tiefe des Erlebnisses, sind auch die Saṃskāras  stark oder weniger stark ausgeprägt. Nun sind Saṃskāras per se nicht schlechtes. Wir benötigen eine unterbewusste Roadmap um uns im Leben zurechtzufinden. Stellt Euch vor unsere Vorfahren wären immer wieder mit großem Hallo und Freude auf einen Säbelzahntiger zugelaufen: richtig, das wäre nicht gut ausgegangen. Also doch alles roger mit den unterbewussten Eindrücken?

 

Wie begegne ich Situationen und anderen Menschen?

Nicht ganz, denn sie halten uns davon ab, die Realität unvoreingenommen zu erleben. Beispielsweise bei meinen Annas und Nadines: Begegne ich ihnen unvoreingenommen, mit meinem reinen, waren Selbst, ohne jegliche Vorbehalte oder Erwartungen, wie sie zu sein haben? Leider nein. Meine Saṃskāras halten mich davon ab, eine echte Verbindung aufzubauen, die auf Grund dem, was ist, entsteht. Die gute Nachricht ist: Das können wir ändern. Es gibt in der tantrischen Philosophie mehrere Methoden Saṃskāras aufzulösen:

  1. Wir sitzen in Stille und schauen uns einfach an, was hochkommen möchte. Christopher Wallis empfiehlt dazu „True Meditation“ von Ādyashānti.
  2. Kritisches Hinterfragen seiner selbst und seinen Handlungen, Achtung: ohne sich dafür fertigzumachen wie man reagiert. WICHTIG! Am besten mit einer anderen Person, die ebenfalls spirituell bewandert ist
  3. Meine Lieblingstechnik: Mein Lehrer Christopher Wallis sagt so schön „Loslassen ist nicht das, was wir mit Gefühlen und Eindrücken wollen, sie sind Energie. Warum sollten wir Energie gehen lassen?“ Ich kann dem nur zustimmen, zumal ich ein starkes Saṃskāra in Bezug auf den Begriff „Lass los“ in Yogastunden habe. Mich macht es dann immer ein Tick aggressiv, da es ohne weiteres in die Top Ten der Yogaunterrichtsphrasen schaffen würde. Gucken wir uns also einmal meine Wut an: was mache ich jetzt damit? Ich setze mich still hin und fühle sie. Bin völlig präsent und meiner Wut bewusst. Beobachte. Schau an, was dahinter liegt. In diesem Fall eine Mischung aus Wissensdurst, lass los ist mir zu unspezifisch (was denn loslassen?) und Überheblichkeit, denn für viele ist das „Lass los“ genau das was sie brauchen und es geht nicht nur um mich. Dann öffne ich mein Herz für die Wut. Hole sie ganz nah ran zu mir, so nah, ich kann. Und noch ein bisschen näher. Transformiere sie, verdaue sie, halte sie präsent. Halte die Energie der Wut in meinem Herzen. Um dann Hintertürchen meines Herzens zu öffnen, um die Wut zu entlassen.

 

Falls ihr auf den Geschmack gekommen seid, das einmal auszuprobieren: Die beste Zeit, seine Saṃskāras anzuschauen ist für mich am frühen Abend. Dann kannst du schauen: Was hast du heute noch nicht genug gefeiert? Was hat dich geärgert? Was hat dich heute besonders getriggert. Wenn wir dies häufig genug praktizieren, schaffen wir es immer besser, liebevoll völlig präsent zu sein in dem was ist und mit dem was ist, ohne Vorbehalte. Dann reagieren wir aus unserem wahren Sein heraus und können echte Verbindungen schaffen. Und dafür sagt man sich doch gern: Would the real in me please stand up?

 

 

 

 

 

 

 

Sweet Child of Mine – Wenn wir loslassen müssen

Es gibt Momente, da setzt das Herz kurz aus zu schlagen. Es gibt keine Zeit mehr, kein oben und unten. Alles steht still. Ein kurzer Moment der Ewigkeit und des unendlichen Glücks. Etwa wenn zwei Striche, anstatt einem erscheinen. Und noch deutlicher: Wenn dort 1-2 Wochen steht. Und dann rauscht die Zeit wie ein D-Zug heran und mit ihm die volle Ladung Panik: Werde ich das schaffen? Sind wir als Paar gefestigt genug? Bekommen wir das finanziell hin? Um dann, wenn man seinen Mann gesprochen hat, wieder in unbändige Freude zu verfallen: denn aus zwei Ichs wird in diesem Moment eine Familie geboren. Ich weiss, ich werde diesen Text erst später posten. Denn das „wir“ ist geblieben, aber etwas haben wir verloren: unser Baby.

 

Vor einiger Zeit:

Wir hatten uns so sehr gefreut. Überhaupt nicht geplant, bin ich direkt beim allerersten Mal als es möglich war, schwanger geworden. Von dem unglaublichsten, liebevollsten Mann den ich mir vorstellen kann. Der mir jetzt in dem Moment über die Schulter schaut und an dessen Schulter ich mich ausweine. Der ein fantastischer Daddy wäre und hoffentlich auch wird.
Die Freude die aufsteigt, wenn in einem so eine kleine Krabbe heranwächst, ist unglaublich. Ich habe mich vorher schon so erfüllt von Liebe gefühlt und mich schon gewundert, woher auf einmal dieses andauernde „natural high“ kommt. Die Freude potenziert sich, wenn man sie mit seinem geliebten Partner teilt. Wir haben Pläne geschmiedet und ich als “Doer“ bin direkt in die Aktion gegangen: Workshops verschoben, Retreats abgesagt – für alles wäre es Zeit gewesen Werbemittel zu drucken und ich wollte fair sein. Und ganz ehrlich: ich wollte es auch in die ganze Welt herausschreien vor Glück. Mit hüpfendem Herzen bestellte ich uns Bücher, shoppte Femibion und co., machte einen Geburtsvorbereitungskurs und eine Hebamme klar. Ich praktizierte nur noch ganz sanft, sagte auch Yogastunden ab, weil ich mich ausruhen musste und sang mit Liebe Mantren für unseren kleinen Krümel. Und nachdem mir meine Frauenärztin bestätigte, dass alles gut und ordnungsgemäß entwickelt ist, versendete ich auch das erste Ultraschall Bild an Freunde.

 

Die Magie der Kreation

Es ist unglaublich, wie frau sich verändert, wenn sie schwanger ist. Ich bemerkte die Veränderungen sofort. Die Weichheit, die Liebe in einem, der Glow, der einen von innen heraus erleuchtet. Die Magie der Kreation wirkt und webt sich durch dich. Es ist ein so besonderer Moment im Leben einer Frau: In dir wächst dein Baby. Ihr habt gemeinsam etwas geschaffen, dass nun wächst, du erschaffst ein neues Leben. Ich spürte den süßen Fratz ganz deutlich. Das leichte Ziehen im Unterbauch. Die Brüste, die irgendwie praller und runder aussahen. Ich wusste auch, dass die Seele noch nicht eingezogen, aber deutlich mit mir verbunden war. Ich war auf einmal bleiern müde, musste um 21 Uhr ins Bett, um dann ganz frühmorgens mit dem Vogelgezwitscher aufzuwachen. So oft es ging, nahm ich Rosenöl in die Hand und strich es sanft über den winzigen Babybauch und die spannenden Brüste. Voller Liebe und Freude vergoss ich dabei schon ein paar Tränchen.

 

Die Panik, die Angst, das Loslassen

Denn kurz nach dem Versand des Ultraschallbildes, tatsächlich nur drei Tage danach fing ich frühmorgens an zu bluten. Ich bekam Panik und ich wusste, es passiert etwas in mir. Ich fühlte mich auch nicht mehr schwanger. Es gab einen Moment, da wusste ich innerlich deutlich, dass unser Baby ein Sternenkind geworden ist. Ein Kreis mit ca. 30cm Durchmesser schwebte rechts oberhalb des Kopfes meines Freundes. Und in mir sagte es: Da ist unser Baby um sich zu verabschieden. Die Ratio verbot mir den Gedanken. Im Eiltempo ging es zum Arzt. Dann das unendliche Warten. Die Zeit, die sich dehnt wie ein Kaugummi. Noch mehr Messungen, Blutabnahme und dann: Warten. Warten, ob sich dein Schwangerschaftshormon weiterhin gesteigert hat. Stunden des Bangens und der eigentlich schon inneren Gewissheit: Es ist gegangen, auch wenn du dich verzweifelt an ein bisschen Hoffnung festklammert. Diese wurde bei mir mit einem Anruf zunichte gemacht. Nüchtern legte mir die Vertretungsärztin dar, dass mein Hormonwert von 130 am Dienstag auf 17 am Freitag gesunken ist. Ich hätte definitiv einen frühen Abort, ich sollte jetzt Schwimmbäder etc. meiden und der Rest ging unter in dem Rauschen in meinem Ohr.

Wenn so etwas passiert, kann es dich hinfort reißen in der Trauer. Sie umspült dich wie ein Tsunami und haut dich um, reißt alles wild mit sich. In diesen Stunden war der unglaubliche Mann an meiner Seite ein Fels, dabei war er selbst von Traurigkeit übermannt. Er ließ mich weinen, hielt mich fest, ließ mich sein.
Abschied

Es gibt diese Momente im Leben. Momente, in denen man erschafft und kreiert. Und Momente in denen man geschehen lassen muss. Dich, unser geliebtes Sternchenkind, musste ich heute gehen lassen und es gibt nichts, was ich, was wir dagegen tun können.

Sei gewiss, dass die kurze Zeit in der wir verbunden waren, wir dich geliebt haben, über alles. Unsere kleine Rosenblüte, du hast uns noch näher zusammengeschweißt, hast uns gezeigt, was Liebe möglich macht, und dass aus zwei Individuen Eltern werden können. Wir sind dir so dankbar, dass du uns sechs Wochen mit deiner Anwesenheit beglückt hast. Wir haben dich so lieb, du kleine Krabbe. Wir hoffen, dass du bei deinen nächsten Eltern als wundervolle Seele ihnen ebenso viel Freude schenkst, wie du uns in den sechs Wochen Freude geschenkt hast. Und nicht nur Freude. Sondern auch Liebe, Hoffnung, Glauben, und das Wissen, das man doch irgendwie alles möglich machen kann. Du hast uns ein neues Fundament gegeben. Unser geliebtes Krümelchen, mögest du dein Licht auf dieser Welt oder wo auch immer scheinen. Und sei gewiss: Möchtest du zurückkommen, werden wir hier sein. In Liebe. In Freude. Unser süßes Baby, mögest du von den Sternen funkeln und ums uns leuchten. Wir werden immer an dich denken, wenn unser Blick ins Firmament wandert.

Denn du, mein Kind, bist von uns geliebt. In Ewigkeit.

 

 

 

 

Tantra: No dirt, No Patanjali, No Gods

Hochgezogene Augenbrauen, skeptische Blicke und meist ein langgezogenes „Ah. Hmhm.“ Das ist meisten die Reaktion, wenn ich sage, dass ich mich intensiv mit Tantra auseinander setze. Und ich weiß genau, was mein Gegenüber denkt: An TV-Trash Reportagen im Spätprogramm, in denen sich originell anmutende Menschen ebenso verzückt wie kaum bekleidet ineinander stecken. Ich kann es schon mal verraten: Das ist NICHT Tantra. Auch nicht die interessante Definition, die mir mal ein Yogalehrer bierernst vortrug: Ich hätte keine Ahnung, worum es im Tantra geht. Er hatte das aber dafür schon: Er hätte von einer absoluten Yogaphilosophie-Koryphäe gehört, dass es im Tantra darum geht, dass Menstruationsblut der Frau mit dem Penis aufzusaugen und damit „die Macht“ zu erlangen. Female Superpowers in allen Ehren, aber WHAT? Ich habe sehr herzlich gelacht. Definitiv ein interessanter Ansatz, kann ich da nur sagen, in welcher der vielen tantrischen Schriften das stehen soll, ist mir jedoch schleierhaft.

 

Was ist der Zauber von Tantra?

Aber was erwartet uns, wenn wir uns tatsächlich mit dieser jahrhundealten Philosophie auseinandersetzen? Warum lese ich jeden Morgen in meinen Büchern und gebe jeden Monat 50 Dollar als Patreon für Christopher Wallis aus, damit ich in den Genuss von Texten kommen, die zum ersten Mal übersetzt wurden, warum investiere ich dutzende von Euros in neue Bücher? Was ist der Zauber, dieser legendenumwobenen Weltanschauung, die fälschlicherweise immer nur mit Sex in Verbindung gebracht wird?

Die Welt des Tantra zu betreten, bedeutet einzutreten in einen Welt voller Magie. Es bedeutet, sich einer bewusstseinserweiternden Philosophie hinzugeben, einer Welt in der geheimnisvolle Energie-Diagramme die Dimensionen der Realität strukturieren, die Visualisierung von kraftvollen Energieflüssen im Körper, tiefste Erfahrungen von Glückseligkeit und purem Bewusstsein, Meditationen, die dich auf eine neue Bewusstseinsstufe bringen und ein Fundament, das auf fast schon unheimliche Weise mit den Entdeckungen der Quantenphysik harmonisiert. Willkommen in der Welt der non-dualen Shivaismus oder auch Tantra.

 

Unterschiede zu den klassischen Philosophien

Einer der größten Unterschiede im Gegensatz zu den „klassischen“ Yogaphilosophien besteht darin, dass es im Tantra nicht darum geht, der Welt zu entkommen. Während Patanjali & co. zwar einen göttlichen Kern in uns sehen, aber Anleitungen geben, den Körper und dem „Shithole“ Welt zu entkommen, damit wir es uns im Samadhi gemütlich einrichten können, geht es im Tantra darum, dass wir in dieser Welt das Göttliche erfahren: denn alles ist Gott. Shiva ist hier auch kein Kifferkumpane, der auf dem Berg hockt und meditiert, sondern steht für das Immanente, das unendliche Bewusstsein, immer da und immer während. Dabei ist es untrennbar und nicht einzeln betrachtbar von Shakti, seine*ihre Energie, die das Immamente in Formen bringt, damit es sich selbst erleben kann. Stellt euch ein unendliches vibrierendes, pulsierendes Feld vor, innerhalb dessen sich Myriaden von Formen bilden, die in den unterschiedlichsten Frequenzen pulsieren – das ist in etwa der Gottesbegriff von Shiva-Shakti im Tantra. Übrigens auch eine ziemlich gute Beschreibung, was man auf Quantenebene sehen würde, könnte man sie mit dem Auge erfassen.

 

God is you. You are God.

Wenn alles Gott ist, dann sind auch wir Gott. Und ja jeder. Das ist für mich einer der schwierigsten Stellen: Das Gott alles und jeder ist. Und eben nicht nur Liebe, sondern in allen Formen und Spielarten existiert, die es im Universum gibt und Gut und Böse nur unsere Begriffe sind. Darin liegt aber gleichzeitig auch die Tiefe für mich: Es ist leicht, sich im Guten zu verlieren und nur in höheren Sphären herumzuschweben, nur die Liebe und das Gute zu sehen und auch zu wollen, denn wir wollen uns gut und leicht fühlen. Selten sind wir aber dann wirklich „da“ und verfehlen damit die Möglichkeit die Freude des Augenblicks in allen Situationen zu erleben. Auch in herausfordernden Zeiten im reinen zu sein, seinen Frieden zu machen, mit dem was ist, genau hier und jetzt in diesem Augenblick: Das ist das Schöne am Tantra.

Da alles in der Welt eine Manifestation des Göttlichen ist, lehrt Tantra eben dies: in allen Gott zu sehen. Um es ganz krass auszudrücken: Im Hundehaufen genauso wie in den wundervollsten, erhabensten Gefühlsmomenten. Tantra lehrt mitten drin zu sein, mit allen Sinnen, mit allen Erfahrungen. Dazu gibt es z.B. wundervolle Meditationen, Kontemplation über Lehren oder Techniken für den subtilen Körper, alle mit dem Ziel die göttliche Energie in allen Dingen zu erfahren, völlig präsent in der Welt und dabei spirituell frei.

 

Eine Reise

In den folgenden Monaten möchte ich euch nach und nach einige der für mich wichtigsten tantrischen Begriffe, Techniken und Sutren vorstellen und euch einladen, diese wunderbare Reise, die gleichzeitig nach innen und außen führt, mit mir zu unternehmen. Ich möchte euch einladen, den Zauber dieser jahrhundertealten Verse zu entdecken und deren innewohnende Freiheit. Ich möchte euch einladen, Gott zu begegnen. In euch und in allen Dingen.

 

 

Eure Sandra