Philosophie Archive – House of Grace
133
archive,tag,tag-philosophie,tag-133,ajax_fade,page_not_loaded,,select-child-theme-ver-1.0.0,select-theme-ver-1.0,wpb-js-composer js-comp-ver-5.0.1,vc_responsive

Sweet Child of Mine – Wenn wir loslassen müssen

Es gibt Momente, da setzt das Herz kurz aus zu schlagen. Es gibt keine Zeit mehr, kein oben und unten. Alles steht still. Ein kurzer Moment der Ewigkeit und des unendlichen Glücks. Etwa wenn zwei Striche, anstatt einem erscheinen. Und noch deutlicher: Wenn dort 1-2 Wochen steht. Und dann rauscht die Zeit wie ein D-Zug heran und mit ihm die volle Ladung Panik: Werde ich das schaffen? Sind wir als Paar gefestigt genug? Bekommen wir das finanziell hin? Um dann, wenn man seinen Mann gesprochen hat, wieder in unbändige Freude zu verfallen: denn aus zwei Ichs wird in diesem Moment eine Familie geboren. Ich weiss, ich werde diesen Text erst später posten. Denn das „wir“ ist geblieben, aber etwas haben wir verloren: unser Baby.

 

Vor einiger Zeit:

Wir hatten uns so sehr gefreut. Überhaupt nicht geplant, bin ich direkt beim allerersten Mal als es möglich war, schwanger geworden. Von dem unglaublichsten, liebevollsten Mann den ich mir vorstellen kann. Der mir jetzt in dem Moment über die Schulter schaut und an dessen Schulter ich mich ausweine. Der ein fantastischer Daddy wäre und hoffentlich auch wird.
Die Freude die aufsteigt, wenn in einem so eine kleine Krabbe heranwächst, ist unglaublich. Ich habe mich vorher schon so erfüllt von Liebe gefühlt und mich schon gewundert, woher auf einmal dieses andauernde „natural high“ kommt. Die Freude potenziert sich, wenn man sie mit seinem geliebten Partner teilt. Wir haben Pläne geschmiedet und ich als “Doer“ bin direkt in die Aktion gegangen: Workshops verschoben, Retreats abgesagt – für alles wäre es Zeit gewesen Werbemittel zu drucken und ich wollte fair sein. Und ganz ehrlich: ich wollte es auch in die ganze Welt herausschreien vor Glück. Mit hüpfendem Herzen bestellte ich uns Bücher, shoppte Femibion und co., machte einen Geburtsvorbereitungskurs und eine Hebamme klar. Ich praktizierte nur noch ganz sanft, sagte auch Yogastunden ab, weil ich mich ausruhen musste und sang mit Liebe Mantren für unseren kleinen Krümel. Und nachdem mir meine Frauenärztin bestätigte, dass alles gut und ordnungsgemäß entwickelt ist, versendete ich auch das erste Ultraschall Bild an Freunde.

 

Die Magie der Kreation

Es ist unglaublich, wie frau sich verändert, wenn sie schwanger ist. Ich bemerkte die Veränderungen sofort. Die Weichheit, die Liebe in einem, der Glow, der einen von innen heraus erleuchtet. Die Magie der Kreation wirkt und webt sich durch dich. Es ist ein so besonderer Moment im Leben einer Frau: In dir wächst dein Baby. Ihr habt gemeinsam etwas geschaffen, dass nun wächst, du erschaffst ein neues Leben. Ich spürte den süßen Fratz ganz deutlich. Das leichte Ziehen im Unterbauch. Die Brüste, die irgendwie praller und runder aussahen. Ich wusste auch, dass die Seele noch nicht eingezogen, aber deutlich mit mir verbunden war. Ich war auf einmal bleiern müde, musste um 21 Uhr ins Bett, um dann ganz frühmorgens mit dem Vogelgezwitscher aufzuwachen. So oft es ging, nahm ich Rosenöl in die Hand und strich es sanft über den winzigen Babybauch und die spannenden Brüste. Voller Liebe und Freude vergoss ich dabei schon ein paar Tränchen.

 

Die Panik, die Angst, das Loslassen

Denn kurz nach dem Versand des Ultraschallbildes, tatsächlich nur drei Tage danach fing ich frühmorgens an zu bluten. Ich bekam Panik und ich wusste, es passiert etwas in mir. Ich fühlte mich auch nicht mehr schwanger. Es gab einen Moment, da wusste ich innerlich deutlich, dass unser Baby ein Sternenkind geworden ist. Ein Kreis mit ca. 30cm Durchmesser schwebte rechts oberhalb des Kopfes meines Freundes. Und in mir sagte es: Da ist unser Baby um sich zu verabschieden. Die Ratio verbot mir den Gedanken. Im Eiltempo ging es zum Arzt. Dann das unendliche Warten. Die Zeit, die sich dehnt wie ein Kaugummi. Noch mehr Messungen, Blutabnahme und dann: Warten. Warten, ob sich dein Schwangerschaftshormon weiterhin gesteigert hat. Stunden des Bangens und der eigentlich schon inneren Gewissheit: Es ist gegangen, auch wenn du dich verzweifelt an ein bisschen Hoffnung festklammert. Diese wurde bei mir mit einem Anruf zunichte gemacht. Nüchtern legte mir die Vertretungsärztin dar, dass mein Hormonwert von 130 am Dienstag auf 17 am Freitag gesunken ist. Ich hätte definitiv einen frühen Abort, ich sollte jetzt Schwimmbäder etc. meiden und der Rest ging unter in dem Rauschen in meinem Ohr.

Wenn so etwas passiert, kann es dich hinfort reißen in der Trauer. Sie umspült dich wie ein Tsunami und haut dich um, reißt alles wild mit sich. In diesen Stunden war der unglaubliche Mann an meiner Seite ein Fels, dabei war er selbst von Traurigkeit übermannt. Er ließ mich weinen, hielt mich fest, ließ mich sein.
Abschied

Es gibt diese Momente im Leben. Momente, in denen man erschafft und kreiert. Und Momente in denen man geschehen lassen muss. Dich, unser geliebtes Sternchenkind, musste ich heute gehen lassen und es gibt nichts, was ich, was wir dagegen tun können.

Sei gewiss, dass die kurze Zeit in der wir verbunden waren, wir dich geliebt haben, über alles. Unsere kleine Rosenblüte, du hast uns noch näher zusammengeschweißt, hast uns gezeigt, was Liebe möglich macht, und dass aus zwei Individuen Eltern werden können. Wir sind dir so dankbar, dass du uns sechs Wochen mit deiner Anwesenheit beglückt hast. Wir haben dich so lieb, du kleine Krabbe. Wir hoffen, dass du bei deinen nächsten Eltern als wundervolle Seele ihnen ebenso viel Freude schenkst, wie du uns in den sechs Wochen Freude geschenkt hast. Und nicht nur Freude. Sondern auch Liebe, Hoffnung, Glauben, und das Wissen, das man doch irgendwie alles möglich machen kann. Du hast uns ein neues Fundament gegeben. Unser geliebtes Krümelchen, mögest du dein Licht auf dieser Welt oder wo auch immer scheinen. Und sei gewiss: Möchtest du zurückkommen, werden wir hier sein. In Liebe. In Freude. Unser süßes Baby, mögest du von den Sternen funkeln und ums uns leuchten. Wir werden immer an dich denken, wenn unser Blick ins Firmament wandert.

Denn du, mein Kind, bist von uns geliebt. In Ewigkeit.

 

 

 

 

Tantra: No dirt, No Patanjali, No Gods

Hochgezogene Augenbrauen, skeptische Blicke und meist ein langgezogenes „Ah. Hmhm.“ Das ist meisten die Reaktion, wenn ich sage, dass ich mich intensiv mit Tantra auseinander setze. Und ich weiß genau, was mein Gegenüber denkt: An TV-Trash Reportagen im Spätprogramm, in denen sich originell anmutende Menschen ebenso verzückt wie kaum bekleidet ineinander stecken. Ich kann es schon mal verraten: Das ist NICHT Tantra. Auch nicht die interessante Definition, die mir mal ein Yogalehrer bierernst vortrug: Ich hätte keine Ahnung, worum es im Tantra geht. Er hatte das aber dafür schon: Er hätte von einer absoluten Yogaphilosophie-Koryphäe gehört, dass es im Tantra darum geht, dass Menstruationsblut der Frau mit dem Penis aufzusaugen und damit „die Macht“ zu erlangen. Female Superpowers in allen Ehren, aber WHAT? Ich habe sehr herzlich gelacht. Definitiv ein interessanter Ansatz, kann ich da nur sagen, in welcher der vielen tantrischen Schriften das stehen soll, ist mir jedoch schleierhaft.

 

Was ist der Zauber von Tantra?

Aber was erwartet uns, wenn wir uns tatsächlich mit dieser jahrhundealten Philosophie auseinandersetzen? Warum lese ich jeden Morgen in meinen Büchern und gebe jeden Monat 50 Dollar als Patreon für Christopher Wallis aus, damit ich in den Genuss von Texten kommen, die zum ersten Mal übersetzt wurden, warum investiere ich dutzende von Euros in neue Bücher? Was ist der Zauber, dieser legendenumwobenen Weltanschauung, die fälschlicherweise immer nur mit Sex in Verbindung gebracht wird?

Die Welt des Tantra zu betreten, bedeutet einzutreten in einen Welt voller Magie. Es bedeutet, sich einer bewusstseinserweiternden Philosophie hinzugeben, einer Welt in der geheimnisvolle Energie-Diagramme die Dimensionen der Realität strukturieren, die Visualisierung von kraftvollen Energieflüssen im Körper, tiefste Erfahrungen von Glückseligkeit und purem Bewusstsein, Meditationen, die dich auf eine neue Bewusstseinsstufe bringen und ein Fundament, das auf fast schon unheimliche Weise mit den Entdeckungen der Quantenphysik harmonisiert. Willkommen in der Welt der non-dualen Shivaismus oder auch Tantra.

 

Unterschiede zu den klassischen Philosophien

Einer der größten Unterschiede im Gegensatz zu den „klassischen“ Yogaphilosophien besteht darin, dass es im Tantra nicht darum geht, der Welt zu entkommen. Während Patanjali & co. zwar einen göttlichen Kern in uns sehen, aber Anleitungen geben, den Körper und dem „Shithole“ Welt zu entkommen, damit wir es uns im Samadhi gemütlich einrichten können, geht es im Tantra darum, dass wir in dieser Welt das Göttliche erfahren: denn alles ist Gott. Shiva ist hier auch kein Kifferkumpane, der auf dem Berg hockt und meditiert, sondern steht für das Immanente, das unendliche Bewusstsein, immer da und immer während. Dabei ist es untrennbar und nicht einzeln betrachtbar von Shakti, seine*ihre Energie, die das Immamente in Formen bringt, damit es sich selbst erleben kann. Stellt euch ein unendliches vibrierendes, pulsierendes Feld vor, innerhalb dessen sich Myriaden von Formen bilden, die in den unterschiedlichsten Frequenzen pulsieren – das ist in etwa der Gottesbegriff von Shiva-Shakti im Tantra. Übrigens auch eine ziemlich gute Beschreibung, was man auf Quantenebene sehen würde, könnte man sie mit dem Auge erfassen.

 

God is you. You are God.

Wenn alles Gott ist, dann sind auch wir Gott. Und ja jeder. Das ist für mich einer der schwierigsten Stellen: Das Gott alles und jeder ist. Und eben nicht nur Liebe, sondern in allen Formen und Spielarten existiert, die es im Universum gibt und Gut und Böse nur unsere Begriffe sind. Darin liegt aber gleichzeitig auch die Tiefe für mich: Es ist leicht, sich im Guten zu verlieren und nur in höheren Sphären herumzuschweben, nur die Liebe und das Gute zu sehen und auch zu wollen, denn wir wollen uns gut und leicht fühlen. Selten sind wir aber dann wirklich „da“ und verfehlen damit die Möglichkeit die Freude des Augenblicks in allen Situationen zu erleben. Auch in herausfordernden Zeiten im reinen zu sein, seinen Frieden zu machen, mit dem was ist, genau hier und jetzt in diesem Augenblick: Das ist das Schöne am Tantra.

Da alles in der Welt eine Manifestation des Göttlichen ist, lehrt Tantra eben dies: in allen Gott zu sehen. Um es ganz krass auszudrücken: Im Hundehaufen genauso wie in den wundervollsten, erhabensten Gefühlsmomenten. Tantra lehrt mitten drin zu sein, mit allen Sinnen, mit allen Erfahrungen. Dazu gibt es z.B. wundervolle Meditationen, Kontemplation über Lehren oder Techniken für den subtilen Körper, alle mit dem Ziel die göttliche Energie in allen Dingen zu erfahren, völlig präsent in der Welt und dabei spirituell frei.

 

Eine Reise

In den folgenden Monaten möchte ich euch nach und nach einige der für mich wichtigsten tantrischen Begriffe, Techniken und Sutren vorstellen und euch einladen, diese wunderbare Reise, die gleichzeitig nach innen und außen führt, mit mir zu unternehmen. Ich möchte euch einladen, den Zauber dieser jahrhundertealten Verse zu entdecken und deren innewohnende Freiheit. Ich möchte euch einladen, Gott zu begegnen. In euch und in allen Dingen.

 

 

Eure Sandra