Diese Frau ist berauschend: Susanne Kaloff im Interview über Matcha Latte, ihr Buch und warum sie ein 1a Spiegel ist – House of Grace
Worte Tantra Yoga
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Diese Frau ist berauschend: Susanne Kaloff im Interview über Matcha Latte, ihr Buch und warum sie ein 1a Spiegel ist

Ich habe jetzt fünf Mal angefangen. Zuerst mit dem allerersten Fanleserbrief von mir an Susanne. Dann damit wie sehr ich ihre Kolumne schätze. Wie schlau, witzig, charmant und pointiert sie ist und schreibt und was für ein verdammt großes Vorbild sie für mich als Autorin ist. Aber ich beginne lieber anders.

Suse habe ich im echten Leben das erste Mal in Lütjensee kennengelernt. Wir saßen an diesem traumhaften Sommertag über Stunden im Bootshaus der Fischerklause am Lütjensee, aßen selbstgemachtes Eis und sprachen über ihr Buch „Nüchtern betrachtet war’s betrunken nicht so berauschend“, über Dates, Beziehungen, Yoga und den Sinn des Lebens. Ich erzählte ihr, wie sehr ich mich in ihrem Buch wiedergefunden habe. Es gab da eine Zeit, in der hüpfte ich von Filmpremiere zu Filmpremiere und tatsächlich trank ich immer so viel, dass ich mich in vielen Situation absolut wiedererkannte: der Kontrollverlust. Bei mir komplette Blackouts. Verlorene Taschen, Handys, Jacken. Ich habe das damals immer leichtfertig abgetan, habe mich innerlich dafür total geschämt, wollte nicht mehr drüber nachdenken, weil es mir so unsagbar peinlich war. Mittlerweile denke ich, dass ich damals schon auf der Suche war, denn seitdem ich weiss wer ich bin und wofür ich stehe, sind mir solche Abstürze nie wieder passiert. Jedenfalls wagten wir uns nach einiger Zeit sogar mit dem Ruderboot raus. Die Bootspartie endete damit, dass wir in Seerosen gefangen waren: Suse hielt meine Füße festumgriffen in der Luft und hängte sich mit ihrem ganzen Gewicht dagegen, weil meine Füße immer abhoben, wenn ich ruderte – irgendwie war das Boot größentechnisch nicht für uns gemacht. Und ja, das sah genauso bekloppt aus, wie es sich anhört. Wir schafften es dennoch wieder ans Ufer (der entscheidende Hinweis kam vom Besitzer der Fischerklause: Wir saßen falsch herum) und seit diesem Tag ist diese schöne, starke, kluge Frau in meinem Herzen. Damit ihr sie und ihr Buch noch etwas besser kennenlernt, habe ich Suse für euch interviewt.

 

Susanne, wenn du dich selbst in fünf Worten beschreiben würdest, welche wären das?

Ich bin ein disziplinierter Freak.

 

Was trinkst du am liebsten?

Matcha Latte! Für diesen pulverisierten grünen Tee würde ich mein letztes Vintage Hemd hergeben. Hochwertigen Matcha erkennt man an der giftgrünen, satten Farbe und am feinen Grasgeruch. Beides kann man leider nicht beurteilen, wenn man vorm Regal steht im Supermarkt. Deshalb an dieser Stelle einen Tipp von mir: Aiya ist der beste.

 

Was war die Initialzündung für dein Buch?

Das gärende Gefühl, das Alkohol absolut nichts mehr für mich tut, das mir guttut.

 

Wie würdest du dein Buch beschreiben?

Das Gegenteil eines Ratgebers. Den schönsten Leserbrief bekam ich erst kürzlich, darin schrieb eine Leserin, sie sei mir so dankbar, dass ich all das, was sie selbst schon länger am Alkohol bemerkte, was sie über ihn dachte, was sie störte, was sie liebte und hasste, was er mit ihr machte, für sie eingeordnet habe. Vielleicht kann man sagen: Ich bin einfach ein Stück vorausgegangen. Mehr nicht.

 

Wie sind die Menschen dir nach dem Buchlaunch begegnet? Hat sich etwas verändert?

Es gibt wenig Anlässe, an denen mein Buchthema, also mein Nichtrinken, nicht thematisiert wird. Einer macht immer einen Spruch, einen Witz, eine kleine Rechtfertigung oder Erklärung, wie viel oder wenig selbst getrunken wird. All das brauche ich nicht, aber die anderen vielleicht. Es ist okay.  Ach ja, und mir fällt auf, dass weniger getrunken wird, wenn ich am Tisch sitze.

 

Wenn man öffentlich ist, steht man immer unter Kritik. Wie gehst du mit Kritik um?

Miserabel gehe ich damit um. Es gab so viel Lob, kaum Kritik, aber die paar Stimmen, die mein Buch nicht mochten, nahm ich mir so sehr zu Herzen, dass ich beinahe meinen Job an den Nagel gehängt hätte. Aber das war gestern. Seit paar Monaten gucke ich nicht mal heimlich nach den Bewertungen auf Amazon. Ich verbiete es mir schlichtweg. Mein neues Mantra: Let whoever think whatever.Es wirkt.

 

Wenn dein Buch ein Mensch wäre: Wie sähe er, sie aus?

Glasklar.

 

Wenn dich Menschen um einen Ratschlag bzgl. Alkohol bitten, was sagst du dann?

Kommt drauf an, was sie wissen wollen. Wer signalisiert, dass sie auch mal aus Neugierde eine Zeitlang nichts trinken wollen, denen empfehle ich guten Gewissens mein Buch. Das ist die Zusammenfassung all dessen, was ich über das Trinken und das Nichttrinken gelernt habe. Der beste Ratschlag ist: Stop drinking. Und genau hinzuschauen, warum man überhaupt trinkt. Aber unaufgefordert sage ich zu dem Thema grundsätzlich nichts, auch deshalb, weil ich weiß, dass ich auch ohne ein einziges Wort als Spiegel 1a funktioniere.

 

Trinkst du ab und zu wieder etwas? 

Nein, ich habe das Gefühl, voll da zu sein, mittlerweile einfach viel zu gerne.

 

Wie haben sich Dates verändert, so ganz ohne Alkohol?

So viele Rendezvous habe ich gar nicht, was auch daran liegt, dass alleine die Anbahnung, ob live oder auf Tinder, ohne Drinks einfach etwas nüchterner ausfällt. Mir gefällt heute kein Typ mehr besser, weil ich zwei Cremant intus habe, entweder ich find den cool oder uncool. Dazwischen gibt’s wenig Spielraum für Selbstdarstellung oder Drama. Es ist, was es ist. Immerzu, 24 Stunden am Tag, die ganze Nacht. Weder wird er heißer im Laufe des Abends noch ich. Was dazu führt, dass ich meist ein alkoholfreies Bier, und wenn es richtig gut läuft, noch ein Mineralwasser bestelle. Dann Ciao, Kakao und vielleicht ein Wiedersehen. One Night Stands hat man nüchtern einfach nicht mehr, und das ist verdammt gut so.  Die haben mit wahrer Intimität nämlich nichts zu tun. Wird nur gerne im Rausch der Nacht übersehen.

 

Würdest du sagen, es gab eine vor dem Experiment Suse und eine danach Suse? Wie unterscheiden sie sich?

Ich glaube, ich bin wieder die geworden, die ich war, bevor ich in der Jugend anfing Campari-O statt Orangesaft zu trinken, weil es die anderen auch taten, weil ich dazugehören und cool sein wollte, weil der M. mit einer anderen ging, weil ich Angst vor peinlicher Nähe, oder Schiss nicht schön genug zu sein, hatte. Vor allem bin ich mir auf die Schliche und erschreckend näher gekommen mit dem Experiment.

 

Dein Rat für die Weihnachtszeit und Sylvester?

Love, Peace und Selbstloyalität. Dann hält man es auch aus, mit einer Ingwerlimonade anzustoßen.

 

Vielen Dank für das Interview! Das Buch von Susanne könnt ihr zum Beispiel auf Amazon bestellen: https://www.amazon.de/Nüchtern-betrachtet-betrunken-nicht-berauschend/dp/3596701333/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1542867093&sr=8-1&keywords=kaloff

 

 

 

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