Interviews Archive – House of Grace
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Diese Frau ist berauschend: Susanne Kaloff im Interview über Matcha Latte, ihr Buch und warum sie ein 1a Spiegel ist

Ich habe jetzt fünf Mal angefangen. Zuerst mit dem allerersten Fanleserbrief von mir an Susanne. Dann damit wie sehr ich ihre Kolumne schätze. Wie schlau, witzig, charmant und pointiert sie ist und schreibt und was für ein verdammt großes Vorbild sie für mich als Autorin ist. Aber ich beginne lieber anders.

Suse habe ich im echten Leben das erste Mal in Lütjensee kennengelernt. Wir saßen an diesem traumhaften Sommertag über Stunden im Bootshaus der Fischerklause am Lütjensee, aßen selbstgemachtes Eis und sprachen über ihr Buch „Nüchtern betrachtet war’s betrunken nicht so berauschend“, über Dates, Beziehungen, Yoga und den Sinn des Lebens. Ich erzählte ihr, wie sehr ich mich in ihrem Buch wiedergefunden habe. Es gab da eine Zeit, in der hüpfte ich von Filmpremiere zu Filmpremiere und tatsächlich trank ich immer so viel, dass ich mich in vielen Situation absolut wiedererkannte: der Kontrollverlust. Bei mir komplette Blackouts. Verlorene Taschen, Handys, Jacken. Ich habe das damals immer leichtfertig abgetan, habe mich innerlich dafür total geschämt, wollte nicht mehr drüber nachdenken, weil es mir so unsagbar peinlich war. Mittlerweile denke ich, dass ich damals schon auf der Suche war, denn seitdem ich weiss wer ich bin und wofür ich stehe, sind mir solche Abstürze nie wieder passiert. Jedenfalls wagten wir uns nach einiger Zeit sogar mit dem Ruderboot raus. Die Bootspartie endete damit, dass wir in Seerosen gefangen waren: Suse hielt meine Füße festumgriffen in der Luft und hängte sich mit ihrem ganzen Gewicht dagegen, weil meine Füße immer abhoben, wenn ich ruderte – irgendwie war das Boot größentechnisch nicht für uns gemacht. Und ja, das sah genauso bekloppt aus, wie es sich anhört. Wir schafften es dennoch wieder ans Ufer (der entscheidende Hinweis kam vom Besitzer der Fischerklause: Wir saßen falsch herum) und seit diesem Tag ist diese schöne, starke, kluge Frau in meinem Herzen. Damit ihr sie und ihr Buch noch etwas besser kennenlernt, habe ich Suse für euch interviewt.

 

Susanne, wenn du dich selbst in fünf Worten beschreiben würdest, welche wären das?

Ich bin ein disziplinierter Freak.

 

Was trinkst du am liebsten?

Matcha Latte! Für diesen pulverisierten grünen Tee würde ich mein letztes Vintage Hemd hergeben. Hochwertigen Matcha erkennt man an der giftgrünen, satten Farbe und am feinen Grasgeruch. Beides kann man leider nicht beurteilen, wenn man vorm Regal steht im Supermarkt. Deshalb an dieser Stelle einen Tipp von mir: Aiya ist der beste.

 

Was war die Initialzündung für dein Buch?

Das gärende Gefühl, das Alkohol absolut nichts mehr für mich tut, das mir guttut.

 

Wie würdest du dein Buch beschreiben?

Das Gegenteil eines Ratgebers. Den schönsten Leserbrief bekam ich erst kürzlich, darin schrieb eine Leserin, sie sei mir so dankbar, dass ich all das, was sie selbst schon länger am Alkohol bemerkte, was sie über ihn dachte, was sie störte, was sie liebte und hasste, was er mit ihr machte, für sie eingeordnet habe. Vielleicht kann man sagen: Ich bin einfach ein Stück vorausgegangen. Mehr nicht.

 

Wie sind die Menschen dir nach dem Buchlaunch begegnet? Hat sich etwas verändert?

Es gibt wenig Anlässe, an denen mein Buchthema, also mein Nichtrinken, nicht thematisiert wird. Einer macht immer einen Spruch, einen Witz, eine kleine Rechtfertigung oder Erklärung, wie viel oder wenig selbst getrunken wird. All das brauche ich nicht, aber die anderen vielleicht. Es ist okay.  Ach ja, und mir fällt auf, dass weniger getrunken wird, wenn ich am Tisch sitze.

 

Wenn man öffentlich ist, steht man immer unter Kritik. Wie gehst du mit Kritik um?

Miserabel gehe ich damit um. Es gab so viel Lob, kaum Kritik, aber die paar Stimmen, die mein Buch nicht mochten, nahm ich mir so sehr zu Herzen, dass ich beinahe meinen Job an den Nagel gehängt hätte. Aber das war gestern. Seit paar Monaten gucke ich nicht mal heimlich nach den Bewertungen auf Amazon. Ich verbiete es mir schlichtweg. Mein neues Mantra: Let whoever think whatever.Es wirkt.

 

Wenn dein Buch ein Mensch wäre: Wie sähe er, sie aus?

Glasklar.

 

Wenn dich Menschen um einen Ratschlag bzgl. Alkohol bitten, was sagst du dann?

Kommt drauf an, was sie wissen wollen. Wer signalisiert, dass sie auch mal aus Neugierde eine Zeitlang nichts trinken wollen, denen empfehle ich guten Gewissens mein Buch. Das ist die Zusammenfassung all dessen, was ich über das Trinken und das Nichttrinken gelernt habe. Der beste Ratschlag ist: Stop drinking. Und genau hinzuschauen, warum man überhaupt trinkt. Aber unaufgefordert sage ich zu dem Thema grundsätzlich nichts, auch deshalb, weil ich weiß, dass ich auch ohne ein einziges Wort als Spiegel 1a funktioniere.

 

Trinkst du ab und zu wieder etwas? 

Nein, ich habe das Gefühl, voll da zu sein, mittlerweile einfach viel zu gerne.

 

Wie haben sich Dates verändert, so ganz ohne Alkohol?

So viele Rendezvous habe ich gar nicht, was auch daran liegt, dass alleine die Anbahnung, ob live oder auf Tinder, ohne Drinks einfach etwas nüchterner ausfällt. Mir gefällt heute kein Typ mehr besser, weil ich zwei Cremant intus habe, entweder ich find den cool oder uncool. Dazwischen gibt’s wenig Spielraum für Selbstdarstellung oder Drama. Es ist, was es ist. Immerzu, 24 Stunden am Tag, die ganze Nacht. Weder wird er heißer im Laufe des Abends noch ich. Was dazu führt, dass ich meist ein alkoholfreies Bier, und wenn es richtig gut läuft, noch ein Mineralwasser bestelle. Dann Ciao, Kakao und vielleicht ein Wiedersehen. One Night Stands hat man nüchtern einfach nicht mehr, und das ist verdammt gut so.  Die haben mit wahrer Intimität nämlich nichts zu tun. Wird nur gerne im Rausch der Nacht übersehen.

 

Würdest du sagen, es gab eine vor dem Experiment Suse und eine danach Suse? Wie unterscheiden sie sich?

Ich glaube, ich bin wieder die geworden, die ich war, bevor ich in der Jugend anfing Campari-O statt Orangesaft zu trinken, weil es die anderen auch taten, weil ich dazugehören und cool sein wollte, weil der M. mit einer anderen ging, weil ich Angst vor peinlicher Nähe, oder Schiss nicht schön genug zu sein, hatte. Vor allem bin ich mir auf die Schliche und erschreckend näher gekommen mit dem Experiment.

 

Dein Rat für die Weihnachtszeit und Sylvester?

Love, Peace und Selbstloyalität. Dann hält man es auch aus, mit einer Ingwerlimonade anzustoßen.

 

Vielen Dank für das Interview! Das Buch von Susanne könnt ihr zum Beispiel auf Amazon bestellen: https://www.amazon.de/Nüchtern-betrachtet-betrunken-nicht-berauschend/dp/3596701333/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1542867093&sr=8-1&keywords=kaloff

 

 

 

Anas Mission - Interview mit Ana Forest

Anas Mission – Interview mit Ana Forest

100 Yogis atmen im Gleichklang im Ujjayi und ein Rauschen wie am Meer erfüllt die große, lichtdurchflutete Halle der Berliner „Eden Studios“. Wir alle warten auf den Beginn der Eröffnungszeremonie für diesen Workshop und auf eine der Legenden der Yoga-Welt: Ana Tiger Forrest. Als Ana den Raum betritt, ändert sich die Atmosphäre spürbar. Der Geruch von geräuchertem Salbei zieht durch den Raum. Ana verteilt bei jedem einzelnen Yogi mit einem Federfächer den Rauch über den ganzen Körper und mit dem Rauch ziehen unsere Erwartungen und Ansprüche davon. Wir sind im Hier und Jetzt. Und schon in diesem Moment wird mir klar: Nein, das Earthwalking-Wochenende wird kein locker-leichtes, trendy „Lifestyle-Yoga“. Dies hier wird tief und an die Substanz gehen.

Ana hat ihre ganz eigene Form von Yoga entwickelt, um sich selbst zu heilen und ihre Traumata zu bewältigen. In ihrem Buch „Die Yoga-Kriegerin“ schreibt sie ausführlich davon: Von dem sexuellem Missbrauch in frühester Kindheit, der seelischen Folter, der sie tagtäglich ausgesetzt war, den körperlichen Einschränkungen, Essstörungen, Selbstmordversuchen,… Die Liste ließe sich fortsetzen. Aber Ana hat es geschafft, ihre negativen Erlebnisse, ihre Schatten wieder in sich selbst zu integrieren. Sie inspiriert nun seit 40 Jahren als Lehrerin Yogis auf der ganzen Welt und hat eine große Mission und Vision: „Mending the hoop of the People“ – das „Band der Völker wiederherzustellen“. Diese Hingabe merkt man Ana jede Sekunde während des Unterrichtens an.

 

Ana, Du hast Menschen auf der ganzen Welt damit geholfen, indem Du erzählst, wie Du die emotionalen und physischen Traumata überwunden hast. Gab es einen speziellen Moment, in dem du bewusst den Entschluss gefasst hast, damit an die Öffentlichkeit zu gehen?

Zum Yoga zu finden war ein magischer Moment für mich UND ein fundamentaler Scheideweg von selbstmörderischen Aktionen hin zu einem Streben nach LEBEN. Als Lehrerin gab es dann viele Momente während des Unterrichtens, in denen mein Spirit mir sagte „Erzähle auch diesen Teil Deiner Geschichte“. Ich war fürchterlich verschreckt, aber ich begann ab und an im Unterricht davon zu erzählen. Es war wie ein Wunder, als sich meine Schüler daraufhin ebenfalls öffneten, mir zeigten, wie sehr sie meine Ehrlichkeit schätzen und auch ihre Geschichten erzählten.

Meine Schüler sagten, zu sehen, wie ich mutig davon erzähle, hat ihnen wiederum den Mut gegeben, genau bei sich hinzuschauen, zu fühlen – und das Unaussprechliche auszusprechen. Als Leute mich danach fragten, ein Buch darüber zu schreiben, war meine erste Reaktion „NEIN!!“, aber irgendwann änderte es sich dann zu einem „JA!“.

 

Wie hast Du es geschafft, diese „Schatten“ in Dein Leben zu integrieren und mit ihnen umzugehen?

Zuallererst: Suche Deine Schatten. Wie beeinflussen sie Dich? Wie verletzen Sie Dich? Was muss geheilt werden? Was hilft Dir zu heilen? Unsere Schatten müssen von Toxinen gereinigt werden, die uns zurückhalten, denn genau diese Schatten können auch unsere Brillanz ausmachen. Vielleicht wirst Du durch Deine Erlebnisse zu einem begnadeten Künstler? Aber wenn Du Dich beschränkst, Deine Schatten einsperrst und sie negierst, können sie sich ins Gegenteil verdrehen. Deshalb ist es wirklich wichtig, mit allen Teilen Deines Selbst eine echte Beziehung aufzubauen. Pflege jeden Aspekt Deines Selbst und Du wirst so in Balance kommen. Beobachte, mit welchem Aspekt Du Dich besonders verbunden fühlst und welchen Du negierst. Und dann ändere das.

 

Was denkst Du, ist der Schlüssel, um mit unseren inneren Gegnern umzugehen?

Nutze diese obsessive Energie, um Dich auf Energie und Vitalität zu konzentrieren. Dieser Süchtige in Dir darf nicht Dein Leben bestimmen. Bitte Dein leidenschaftliches, Dein weises Selbst in Dir, Dich zu unterstützen und die Teile, die aus der Balance gekommen sind, zu heilen.

 

Wie können wir uns mehr mit unserem Spirit verbinden und eine gute Beziehung aufbauen?

Mache es zuallererst zu Deiner Priorität, die Verbindung zu deinem Spirit aufzubauen. Anschließend frage Dich bei allem, was Du tust: Hilft mir dies, mich mit meinem Herzen und Spirit zu verbinden? Oder führt diese Handlung wieder zu Schmerzen und Qual und zum Abkoppeln vom Spirit? Sei ehrlich zu Dir. Und dann treffe die Entscheidung eines Kriegers.

 

Deine Stunden hier in Berlin waren für mich überwältigend. Ich hatte das Gefühl, zum ersten Mal WIRKLICH Yoga zu machen. Du bist zu 100 Prozent da und gibst Dich völlig der Stunde hin. Du bewegst die Menschen nicht nur körperlich, sondern auch stark auf emotionaler Ebene. Wie gehst Du damit um?

Praxis. Viele, viele Fehler machen. Und falls Du als Lehrer in Kontakt damit kommst, wenn Schüler transformieren, wenn Du merkst, dass Altes losgelassen wird, aber gleichzeitig das Gefühl hast, dieses schleimige, alte Zeug haftet nun an Dir: Mache einen Handstand. Gebe die Energie zurück an die Erde. Auch unabhängig vom Unterrichten: Immer wenn es Dir schlecht geht, wenn Du das Gefühl hast, eine Attacke von negativen Erlebnissen und Momenten überwältigt Dich – lege Deine Hände auf den Boden und gib es zurück! Sage „Heilige Mutter Erde, nimm diesen Scheiß und verwandle ihn in Dünger“. Mutter Erde wird dies für Dich transformieren.

Wie sieht denn generell Deine persönliche Praxis aus? Und hast Du eine Lieblings-Asana?

Wie der Tanz meines Spirits. Das Team von CodyApp (www.codyapp.com) hat ein paar Minuten Footage meiner eigenen Praxis aufgenommen und verwendet es nun als Teaser, um auf meine Klassen aufmerksam zu machen.

In Sachen Asana-Praxis sind Handstand und Unterarmstände meine Favoriten. Umkehrhaltungen regen die Nieren sowie Nebennieren an, bilden Kraft, geben Dir ein Gefühl von Stärke und Würde – und sind ein Riesenspaß! Kopfüber zu stehen gibt Dir jede Menge Energie und einen fantastischen Brain Wash. Entwickle eine tägliche Praxis mit Inversionen, denn Du verdienst es, jeden Tag begeistert und enthusiastisch zu sein!

 

Wie können wir mehr Körperweisheit entwickeln?

Macht Forrest-Yoga! Überall in der Welt sehe ich Menschen, die nicht mehr in der Lage sind, kinästhetische Informationen wahrzunehmen und zu deuten. Sie wissen verdammt nochmal nicht mehr, was sie überhaupt da fühlen. Aber Empfindungen versorgen uns mit entscheidenden Informationen. Wir werden damit aufgezogen, dass allein unser Denken der einzig wahre Weg der Wahrnehmung und der Bearbeitung von Informationen ist. Das ist nicht wahr! Das Ergebnis davon ist, dass wir uns selbst zerreißen, denn wir nehmen nicht die gesamten Informationen auf und daher treffen wir schädigende Entscheidungen. Diese traurigen Entscheidungen vergrößern unser Leiden. Daher: Atme tief, treffe deine Entscheidungen basierend darauf, was Du fühlst, verbinde Dich mit Deinen Chakren, stoppe Deine inneren Kriege. Fühle, wie Deine Kraft wächst, wenn Deine fantastischen intellektuellen Fähigkeiten Dein Gehirn damit beauftragen, sich mit dem ganzen Körper zu verbinden.

 

Wie würdest Du Forrest-Yoga definieren?

Stärkend, nährend, sinnsuchend, zeremoniell, mit unserem Spirit verbindend, entspannend, restaurativ, inspirierend, liebend… In meinem Leben habe ich keine Zeit, mich all diesen Bereichen einzeln zu widmen, daher habe ich sie alle in Forrest-Yoga eingewoben.

Forrest-Yoga hilft jedem von uns, unsere emotionalen Altlasten zu verdauen und zu lösen. Du lernst, Dich aus Schmerz und Starre wieder in die Freiheit zu arbeiten , Deine vitale Stärke und Gesundheit wachsen zu lassen. Du lernst, Dich wieder mit Deinem Spirit zu verbinden und die tiefgreifendste Liebesbeziehung in Deinem Leben wachsen zu lassen: Die intime Beziehung wischen Dir und Deinem Spirit. Das ist sexy und mutig!

 

Was begeistert Dich, was inspiriert Dich persönlich?

In den ersten Jahren hat mich meine eigene Entschlossenheit den Schmerz und das Leid zu heilen, inspiriert und angetrieben. Sobald ich anfing, den Medizinweg zu gehen, änderte sich aber mein Fokus. Ich widmete mich der Verbindung mit meinem Spirit.

Ich habe mir selbst ein Gelöbnis gegeben: Meine eigene Inspiration zu entfachen, von da aus zu wirken und nicht der Routine nachzugeben. Wenn ich meine Arbeit tue, dann bewege ich etwas. Das inspiriert mich, weiterzugehen. Meine lieben Leser, strebt danach, jeden Tag Euch selbst zu inspirieren. Und habt Spaß dabei!

 

 

Reist Du deshalb so viel um die Welt, um etwas zu bewegen und Dine Vision weiter zu verwirklichen?

JA! Einen Unterschied zu machen, begeistert mich. Beispielsweise halte ich meine Forrest-Yoga-Lehrer dazu an, Yoga an Menschen weiterzugeben, die normalerweise keinen Zugang dazu haben. Zusammen arbeiten wir mit Missbrauchsopfern, Soldaten, Menschen, die ausgegrenzt werden, sozial benachteiligten jungen Menschen, Gefängnisinsassen… Ich bin so stolz auf den positiven Impuls, den wir damit auf diesem Planeten setzen.

Mein Mann Jose Calarco und ich finden gerade neue Wege, um enger mit den Aborigines zusammenzuarbeiten. Ich würde ihnen wirklich gerne Forrest-Yoga näher bringen und wiederum von den Menschen der „First Nation“ Australiens lernen, deren Kultur übrigens die älteste der Erde und über 40.000 Jahre zurückdatiert ist.

Es ist eine wundervolle Möglichkeit, gegenseitig voneinander zu lernen. Es ist sehr wichtig für mich, mein Wissen zu teilen und meinen Einfluss einzusetzen, um gute Energie in die Welt zu bringen. Ob es darum geht, Menschen darüber aufzuklären, dass sie sich selbst verkümmern lassen, nicht tief atmen, sich schlecht ernähren – oder welch schrecklicher Missbrauch an unseren „First Nations“ begangen wird. Ich möchte, dass Menschen achtsam sind, weil man immer die Möglichkeiten, hat zu korrigieren – jeder kann etwas tun! Ich möchte daher Dich, lieber Leser, dazu ermutigen, deinen Spirit zu nähren und dann etwas zu finden, mit dem Du die Welt zum Besseren verändern kannst. Schließ Dich uns an!

 

 

 

Weitere Informationen:

Ana Forrest gibt 2017 erstmalig ein Foundation Teacher Training in Berlin vom 1. bis 27.09.2017. Über www.earthwalking.yoga können die Morning Intensives des Teacher Trainings auch von Nicht-Teilnehmern gebucht werden.

Alle Neuigkeiten rund um Forrest Yoga sowie Forrest Yoga Lehrer sind auch unter www.forrestyoga.com zu finden.

Erschienen Yoga Aktuell 3/2016

In Unterschieden vereint

In Unterschieden vereint – Interview mit Lalla und Vilas Turske

In Unterschieden vereint

Die Anusara-Lehrer Lalla und Vilas Turske darüber, dass Yoga ruft, freiheitsliebendes Yoga und Yogakonsum

Die renommierten Yoga-Lehrer Lalla und Vilas Turske brachten das Ansuara-Yoga 2004 als Erste nach Deutschland. Sie teilen ihr Wissen in Immersions, Workshops sowie Klassen und bilden seit über 10 Jahren Lehrer aus. Grundlage des Anusara-Yoga ist die Philosophie des kaschmirischen Shivaismus, der sich beide mit ganzem Herzen verschrieben haben.

 

Lalla, Vilas, was waren Eure ersten Berührungspunkte mit dem Yoga?

Vilas: Mein Ausgangspunkt war eine schwere Verletzung. Vorher hat mich Yoga überhaupt nicht interessiert. Im Moment der höchsten Verzweiflung wurde Yoga zu einem Strohhalm, an dem ich mich festhalten konnte. Ich habe mich damals an eine Anusara-Yogastunde in einem Studio in Los Angeles erinnert. Ich ahnte, dass dies ein Ansatz sein könnte, um aus dem Dilemma der schweren Verletzung und der damit verbundenen Immobilität herauszukommen. Das hat mich zum Yoga geführt.

Lalla: Eine Freundin hat ein Yoga-Buch in unserem Gästezimmer vergessen. Ich habe dieses Buch angeschaut und ich wollte die in den Bildern gezeigten Übungen unbedingt nachmachen. Als ich das versuchte, stellte ich fest, ich kann gerade einmal stehen, aber meine Bewegungsmöglichkeiten waren weit von den Bildern in dem Buch entfernt. Ich konnte mich nicht einmal vorbeugen. Es ging nichts! Dennoch hat es mich so fasziniert, dass ich gemerkt habe: Das möchte ich tun. Das berührt mich! Heute würde ich sagen, Yoga ruft, und mich hat es ganz stark gerufen.

Wie kam bei Euch der Wunsch auf zu lehren?

Lalla: Es war zunächst einmal eine wunderbare Bekanntschaft mit großartigen Lehrern, allen voran Marie Romeu und Anthony Benenatti. Aus diesen Begegnungen entstand dann der Wunsch, Yoga zu vertiefen, im Sinne eines Retreats. Dann kamen die verschiedenen Ausbildungen mit John Friend, Marie Romeu und Kathleen Hogan. Immer wenn wir nach solchen Erfahrungen zurück nach Berlin kamen, fragten wir uns: was jetzt? Es gab so viele Yoga-Studios, aber kein Yoga für uns.

Vilas: Wir haben uns viele Yoga-Schulen in Berlin angeschaut und dort praktiziert und kamen immer wieder zu dem Ergebnis: ‚Das ist es nicht’.

Lalla: Dazu muss ich sagen, dass es die kraftvolleren Yoga-Arten zu der Zeit noch nicht gab. Natürlich, da war Iyengar-Yoga, aber das war uns zu technisch und ohne Herz. Ashtanga ging für Vilas körperlich nicht und ich wollte es nicht. Ich wusste: so möchte ich nicht praktizieren. Der nächste Schritt war zu sagen: „Wenn es gar nichts gibt, müssen wir es selber machen.“

Vilas: Wir hatten wahnsinnig Freude am Anusara-Yoga, dessen Essenz die Freiheit ist. Zurück in Deutschland befanden wir uns jedoch plötzlich in einer Yoga-Landschaft, in der das Thema Freude nicht existierte. Wir haben dies mit John besprochen und er unterstützte uns in dem Vorhaben, Anusara nach Europa zu bringen. Also eröffneten wir das erste City Yoga-Studio in Berlin, als reines Anusara-Studio. Aus dieser Zeit stammen wunderbare Erinnerungen. Wie zum Beispiel an den Tag, an dem ich nach dem Unterricht nach Hause kam und Lalla mich fragte ‚Wie war’s? Du strahlst ja förmlich?’ Ich antwortete ihr, dass es großartig und voll war. Sie fragte mich nach der Anzahl der Schüler und ich antwortete: ‚Fünf!’. Das war nach Wochen, in denen gar keiner oder nur ein oder zwei Yogis kamen, das Gefühl von Fülle. Ich war begeistert! Innerhalb eines halben Jahres wuchs die Teilnehmeranzahl der Klassen stetig und so kam der Wunsch nach einem größeren Studio in Berlin-Mitte auf. Wir wuchsen dann relativ schnell.

Worauf lag danach der Fokus?

Vilas: Yoga, so wie wir es unterrichten, hat eine starke kreative Seite. Ich komme aus der Kunst und habe eine intensive Beziehung zur Kreativität. Diese Kreativität prägt mich und gibt mir in meinem Yoga alle Möglichkeiten. Ich empfinde unsere Klassen heute als immer kreativer, komplexer und feiner und oft kommt es mir vor wie – ja, wie reine Poesie. Ich denke, das ist es, was die Menschen in unseren Stunden berührt: Die Verbindung einer sehr anspruchsvollen präzise ausgerichteten Asana-Praxis mit dem, was wir den inneren Körper nennen: die Studenten spüren, wie ihre Energie fließt und sie inspiriert.

Gibt es eine Essenz die Ihr auch Euren Schülern mit auf dem Weg geben möchtet?

Lalla: Was ich mir wirklich wünsche ist, dass trotz eines Yoga-Unterrichts mit 30 Stellungen in einer 90-minütigen Sequenz eine große Authentizität herrscht. Dass sich die Lehrer immer wieder fragen: „Wie bringe ich mich ein?“ Und dass die Lehrer erkennen, dass jeder in einer Yoga-Stunde sein Bestes geben will.

Vilas: Die Erfahrung, die aus unserer Philosphie entsteht. Wenn wir über Tantra sprechen, meine ich damit den kaschmirischen Shivaismus. Das ist eine Yoga-Philosophie, die uns ermöglicht, Menschen anzuschauen und zu erkennen, welche Möglichkeiten sie haben. Eine Philosophie, die davon ausgeht, dass das Universum intrinsisch gut ist, und die uns veranlasst, in jedem Menschen das Gute zuerst zu sehen. Das ist die tragende Kraft! In jedem einzelnen von uns liegt ein unerschöpfliches Potenzial, von dem die meisten nicht wissen, dass es da ist. Wir möchten unterstützen, dass jeder Student seinen individuellen Weg gehen kann, seine Einzigartigkeit erkennt, um seine eigene Manifestation von persönlicher Schönheit zu finden. Das ist natürlich etwas völlig anderes, als sich hinzusetzen und zu sagen: „Ich zeige Euch jetzt wie es geht.“

Lalla: Ich möchte nochmal zurück zur Wortwurzel kommen. Sva heisst „Selbst.“ Hier kann man noch debattieren, welches „Selbst“ gemeint ist, aber sicher nicht das Ego. Es ist Atman, das höhere Selbst, das über das Ego hinausgeht und erkennt: Es gibt eine hohe, spirituelle Kraft. Tan heißt „wie ein roter Faden“ und Tra „das sich hindurchzieht.“ Und das möchten wir weitergeben: Wegzukommen vom Ego und hin zum Spüren, dass sich eine spirituelle Kraft durch uns hindurchzieht.

Könnt Ihr eine Veränderung darin feststellen, wie Lehrer heute wahrgenommen werden?

Vilas: Der Respekt vor dem Lehrer ist verloren gegangen.

Lalla: Lehrer werden „konsumiert“ und „weggeworfen“. Und dann kommt der nächste. Der wird auch konsumiert und weggeworfen.

Vilas: Ich hatte immer Lehrer, die sich so stark in mir manifestiert haben, dass bis heute kein Tag vergeht, an dem ich nicht an sie denke. Wir haben beide einen großen Respekt vor unseren Lehrern. Sie sind nach wie vor fester Bestandteil unseres Lebens. Ich selbst möchte ebenfalls ein guter Lehrer sein.

Lalla: Lehrer zu sein bedeutet auch, gemeinsam mit den Schülern die Steine aus dem Weg zu räumen, über die man stolpern kann. Es bedeutet, dass man wegweisend ist. Denn wir brauchen Orientierung und Unterstützung! Yoga ist ein spiritueller Weg, der auch in die Irre führen kann.

Findet Ihr, dieser Konsum von Lehrern und Yoga hat sich mit der Zeit verstärkt?

Lalla: Ich sage immer: John Friend, der Gründer des Anusara-Yoga, war für mich ein bedeutender Lehrer. Wir haben aber mit Staunen aufgenommen, dass seine ganze einstige Entourage ihn regelrecht „weggeworfen“ hat. Ich würde nie sagen: „Dieser Lehrer war nicht mein Lehrer.“ Aber das haben wir in diesem Zusammenhang in den USA erlebt, wo John wirklich verneint und verschwiegen wird. Das ist nicht so. Er war ein sehr wichtiger Lehrer.

Vilas: Für mich war dies eine schöne Erfahrung, bei der ich sehr viel gelernt habe: In dem Hype, der um ihn und Anusara entstanden ist, hat er versucht, eine freiheitsliebende Philosophie kontrollierbar zu machen. Und das geht nicht. In dem Moment, in dem Du versuchst, eine freiheitsliebende Philosophie zu kommerzialisieren, fällt Dir diese auf den Fuß. Und das empfinde ich als absolut großartig.

Sollten diese Kontrolle und der Konsum im Yoga eigentlich gar nicht erst entstehen?

Vilas: Die Yoga-Welt erinnert mich manchmal an die Kunstwelt, wo vorneherum alles freundlich ist und hintenherum die Messer blitzen. Im Grunde importieren manche ihre Zwänge und Muster des Alltags in ihr Yoga-System und ihre Yoga-Praxis. Sie erledigen es genauso wie alle Jobs des Tages, maßgeregelt, mit einer Zielvorgabe und der Absicht, schnell wieder fertig zu sein. Das ist nicht Yoga. Es geht in allen Systemen und Philosophien des Yoga um Zeit, darum, Raum zu schaffen, Entschleunigung. So wie Yoga heute praktiziert wird, teils als Fashiongymnastik, wenn ich es einmal so formulieren darf, als Bikini-Yoga oder Bier-Yoga, dann hat das wirklich nichts mehr mit dem Kern des Yoga zu tun. Und das hat auch nichts mit dem zu tun, was wir unterrichten. Davon möchte ich mich deutlich distanzieren.
Wenn Ihr Euer Yoga in einem Leitsatz zusammenfassen solltet, wie würde dieser lauten?

Lalla: Wie unsere Akademie: parApara, vereint in Unterschieden.

Vilas: parApara – das ist unser Konzept. Die Unterschiedlichkeit zu anderen Menschen ist das Glück, das uns eint. Die anderen Menschen sind anders als ich. Und tun alles, wie sie möchten und nicht, wie ich es möchte. Das Glück liegt darin, sie so zu sehen, wie sie wirklich sind. Wenn ich vereinen kann in Unterschieden – dann ist das die höchste Essenz die es gibt. Das ist unser Leitspruch. So können Lalla und ich uns jeden Tag auch selbst überraschen.

Lalla: Nach 26 Jahren!

Zuletzt: Gibt es eine Empfehlung, die Ihr zum Schluss geben wollt.?

Lalla: Ja! Eine, die ich aussprechen möchte, weil sie mir seit Monaten ein wirklich tiefer Herzenswunsch ist. Yoga hat uns ein weites Spektrum an Positivem gegeben, wie etwa Erkenntnis, körperliches Wohlbefinden, Durchlässigkeit, mehr Bewusstheit, Achtsamkeit oder Wertigkeit. Diesen Gedanken ‚Was gibt Yoga mir?’ sollte man umdrehen und sich fragen: ‚Was kann ich heute dem Yoga geben?’ Dieses Bewusstsein, mit Hingabe etwas in dieses wunderbare System zurückzugeben, das macht das Praktizieren ganz einfach. Dann wird Yoga ganz leicht. Dann ist es gut.

 

Vielen Dank für das Interview!

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Anusara Yoga Immersions 2017: Stuttgart/Regensburg/Steyr/Wiesbaden

Alle Termine und Buchung unter www.lallaundvilasyoga.de

Erschienen Yoga Aktuell 4/2016